Anleitung: Umhang (Teil A)

 

Teil A – Umhang

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Den Umhang braucht ihr für beide Modelle.

(Und nur am Rande:
Natürlich gibt es auch noch ganz viele andere Wesen als Sternsinger, die so einen Umhang brauchen: Zauberer, Supermänner, Vampire, Hobbits… Das Prinzip ist immer gleich, und Kinder, die sich gerne verkleiden, sind auf diese Weise auch an anderen Tagen als dem 6. Januar sehr schnell und einfach zu beglücken!)

Material:

Ihr braucht:

  • Stoff (1,4 – 1,6 m breit, Länge nach der Faustregel „Körpergröße minus 28 cm“)
  • 2m Kordel (z. B. Goldkordel)
Die Breite des Umhangs ergibt sich aus der Stoffbreite Eures Materials. Dabei ist es egal, ob Euer Stoff 1,40, 1,50 oder 1,60 m breit ist. 1,40 m reicht aus, breiter schadet aber auch nicht. Nur schmäler sollte der Stoff nicht sein, dann wird der Umhang nicht weit genug.
Die Länge des Umhangs ergibt sich aus der Körpergröße der Majestät, für den/die Ihr näht. Eine gute Faustregel ist „Körpergrösse minus 28 cm“. D. h. ihr braucht
  • für ein 1,10 m größes Kind 82 cm Stoff
  • für ein 1,20 m großes Kind 92 cm Stoff
  • für ein 1,30 m großes Kind 102 cm Stoff
  • für ein 1,40 m großes Kind 112 cm Stoff
  • für ein 1,50 m großes Kind 122 cm Stoff
etc. Dabei sind bereits insgesamt 12 cm für den Tunnelzug oben und den Saum unten vorgesehen. (Wenn Ihr ganz exakt arbeitet, tun es auch 10 cm Zugabe.) Die Länge des fertigen Umhangs beträgt also „Körpergröße minus 40 cm“. Der Umhang wird damit nicht knöchellang, eher halber Unterschenkel – schleift dafür aber auch nicht im Schneematsch.
Eine Übersichtstabelle über die benötigten Stoffmengen findet Ihr hier.
Grundsätzlich könnt Ihr den Umhang aus gewebten oder gewirkten Stoffen nähen. Speziell Pannésamt nehme ich (trotz der tollen Optik) für dieses Teil aber eher ungern, denn es ist schwer, damit exakte Säume hinzubekommen. Leider neigt dieser Stoff dazu, sich zu „verziehen“, selbst bei sorgfältigem vorherigen Bügeln und Feststecken. Und anders als beim Untergewand fällt das beim Umhang richtig auf. Also, mein klarer Favorit für dieses Teil: Gewebte Stoffe!
In meinem Eintrag zu Farben und Texturen habe ich schon geschrieben, daß ich bei der Farbplanung des gesamten Gewandes immer vom Umhang ausgehe. Denn er ist prägend für den farblichen Gesamteindruck, weil er die größte sichtbare Fläche ist.

Für den Umhang wähle ich gerne einen gemusterten Stoff  (z. B. mit Streifen, Sternendruck oder eingewebtem Jacquardmuster) oder zumindest einen irgendwie ungewöhnlich texturierten Stoff (z. B. Lurexjersey). Hier meine Lieblinge von 2018 (Quellen auf Anfrage):

 

Für das Untergewand (und ggf. auch die Hose) nehme ich dann passende einfarbige Stoffe dazu. Besonders hübsch sieht es aus, wenn sich der Umhangstoff dann noch in einigen kleinen Details wiederfindet, z. B.  im Stoffkranz und/oder als Gürtel.

Aber auch einen einfarbigen Umhang könnt Ihr ganz einfach mit aufgenähten Bändern oder Bordüren „aufpeppen“.

Anleitung:

Ihr müsst Euer Stoffstück im Grunde nur an allen vier Kanten umsäumen. Der einzige Trick ist, das in der richtigen Reihenfolge zu machen: Erst die Seiten, dann den Tunnelzug oben, und zuletzt den Saum unten.
Die Säume werden unterschiedlich genäht, je nachdem ob Ihr einen gewebten oder gewirkten Stoff verwendet. (Was war nochmal der Unterschied zwischen gewebten und gewirkten Stoffen?)
Bei gewebten Stoffen schlagt Ihr den Stoff zweimal nach innen ein, damit die offene Kante komplett „verschwindet“. Ihr näht mit geradem Stich (Stichlänge 2,5 – 3) knapp (wenige mm) neben der Innenkante des umgeschlagenen Randes entlang. Das sieht dann so aus:
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Rechts im Bild seht Ihr die doppelt nach innen eingeschlagene Kante, links im Bild die linke Stoffseite (ohne Muster). Die Naht ist hier dunkelgrün, damit Ihr sie besser seht. Ihr näht natürlich Euren eigenen Umhang mit einer passenden Garnfarbe!
Bei gewirkten Stoffen braucht Ihr den Stoff nur einmal nach innen einzuschlagen, weil die Kante nicht ausfransen kann.  Ihr näht mit einer Jerseynadel im Zickzackstich (Stichlänge ca. 2, Stichbreite ca. 4) direkt über die innere Kante hinweg. Sie wird also durch die Zickzacknaht „eingefangen“ und dadurch fixiert. Das sieht dann so aus:

 

Auf dem linken Bild habe ich die offene Kante mit der Schere „hochgelupft“, damit Ihr sie besser seht. Die Schere hat natürlich eigentlich bei diesem Arbeitsschritt nichts zu suchen!
Auf dem rechten Bild seht Ihr das Ergebnis – die offene Kante ist vom Zickzackstich „eingefangen“.

Aber jetzt in aller Ruhe Schritt für Schritt:

1. Stoff mit der linken Stoffseite (Innenseite des Umhangs) nach oben hinlegen. Die Webkanten liegen rechts und links, die Schneidekanten oben und unten. Rechte und linke Kanten nach innen (= zur linken Stoffseite hin) einschlagen (einfach oder doppelt je nach Stoffart, siehe oben). In der Regel sind ca. 3 cm eine gute Breite. Schlagt aber auf jeden Fall so weit ein, dass unansehnliche Stoffkanten (z. B. mit kleinen Löchern oder „Klebkanten“) ganz nach innen verschwinden. Bügeln und feststecken. Achtung beim Bügeln von Kunstfaser: Nicht zu heiss! Maximal Stufe 2 von 3. Macht vorsichtshalber erstmal einen kleinen Test am Rand, damit Euch der Stoff nicht am Bügeleisen festschmilzt!

2. Seitenränder von der linken Stoffseite aus nähen.

2a. (Optional) Wenn Ihr einen einfarbigen Umhang mit aufgenähten Bändern oder einer Bordüre etwas „aufhübschen“ wollt, ist dies der richtige Moment. Tipps und die Anleitung dazu gibt es im diesem Extra-Eintrag.

3. Tunnelzug oben ca. 3 cm breit nach innen einschlagen (einfach oder doppelt je nach Stoffart, siehe oben). Bügeln und feststecken.

4. Tunnelzug nähen. Die Enden bleiben natürlich offen, sonst wäre es kein Tunnelzug mehr!

5. Saum unten nach innen einschlagen. Kontrolliert an dieser Stelle nochmal, ob die gewünschte Gesamtlänge stimmt. Bügeln und feststecken.

6. Saum festnähen. Wenn hier die beiden Enden „klaffen“ (passiert bei dicken Stoffen leicht), könnt Ihr sie zusätzlich zunähen. An dieser Kante braucht Ihr ja keinen Tunnelzug.

So sollte die „Innenansicht“ Eures Umhangs jetzt aussehen:

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7. Kordelenden vor dem Ausfransen sichern. Ihr umwickelt dafür die Enden auf ca. 5 mm Breite ca. 30 mal fest mit farblich passendem Nähgarn. Am Anfang ein paar cm Garn hängen lassen.

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Dann verknotet Ihr die Garnenden und schneidet sie sowie die überstehenden Kordelfransen ab. Dann setzt Ihr einen einfachen Knoten genau unterhalb der umwickelten Stelle.

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8. Jetzt noch die Kordel in den Tunnelzug oben einziehen und den Umhang damit raffen.
Fertig!

Zeitaufwand, wenn alles gut geht: 45 Minuten 

 

Wenn Euch in dieser Anleitung etwas unklar ist, bitte fragt einfach nach. Es gibt keine dummen Fragen, nur schlechte Erklärungen!

Anziehen

Der Umhang wird mit einer Schleife der Kordel geschlossen.

Wenn Ihr den Umhang mit einem Untergewand nach meinen Mustern B oder F kombiniert: Achtet darauf, daß der Kragen des Untergewands locker über dem Rand des Umhangs liegt und nicht vom Umhang plattgedrückt oder eingequetscht wird. Am Ende sollte es so aussehen:

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